Mit Mandalas durch das ganze Jahr (Autorin: Ursula Salbert)


Das Wort „Mandala“ stammt aus der indischen Sanskrit-Sprache und heißt „Kreis“. Das in Indien bedeutendste Mandala ist das Sri Yantra, ein Meditationsbild.Die in der christlichen Kunst entstandenen Mandalas in Rosetten- oder Kreuzform, symbolisieren die „Liebe“ in der Mitte aller Erfahrungen.
Jeder Mensch beschäftigt sich im Laufe seines Lebens, bewusst oder unbewusst, mit den Wirkungsweisen eines Kreises.

Mandalas mit Kindern erforschen

Es gibt viele Möglichkeiten, Mandalas mit Kindern zu entdecken, so dass ein ganzes Projekt oder ein Jahresthema daraus entstehen kann.

Haben Sie schon einmal erlebt, wie Kinder die kreisrunde Form eines Tellers experimentell ins Bewusstsein heben, indem sie mit dem Finger einen Punkt suchen und ihn rotieren lassen?
Oder sie betasten die runde Form des Balles und beobachten fasziniert wie er sich fortbewegt.
In Kreisspielen und Kreistänzen erleben Kinder, in der Bewegung, die geschlossene Form des Kreises und dessen Mittelpunkt und im Sing- oder Erzählkreis fühlen sich alle angenommen.

Bevor wir mit Kindern Mandalas legen, malen oder gestalten, sollten die Kinder sich mit der Kreisform beschäftigen.
Z.B. mit der Frage:

Warum ist die Kreisform so beliebt, dass sich Menschen seit ihrer Entstehung in ihr wohl fühlen und sich damit beschäftigen?
Es können auch experimentell Emotionen im Kreis erarbeitet werden:

Wie fühle ich mich im Kreis stehend, einmal mit dem Gesicht zur Kreismitte weisend und einmal nach außen?
Wie fühle ich mich, wenn alle im Kreis stehen und ich bin in der Mitte?
Wie fühle ich mich dagegen außerhalb des Kreises?
Der Kreis symbolisiert Geschlossenheit und Stärke. Wer sich im Kreis befindet, gehört dazu. Kinder spüren den gleichen Abstand aller zur Mitte instinktiv und fühlen sich daher gleichgestellt.

„Dem Kreis auf der Spur“

Kinder haben Freude, am entdecken und analysieren der Kreisform in ihrer Umwelt. Sie finden vielleicht ein Kirchenfenster, das wie ein Mandala farbenfroh in der Sonne glitzert oder eine Fußbodenpflasterung aus Mosaiksteinchen oder Kacheln. Auch ein Spinnennetz ist ein wunderschön geformtes Mandala und so praktisch.
Geburtstags-, Wetter- und Jahreszeitenkalender in Kindergärten sind oft rund und wie ein Mandala gestaltet. Sie symbolisieren das „Immerwiederkehrende“, Uhren und Kompasse das „Verlässliche“ und Räder das „Kraftvolle“ und „Fortlaufende“. Kinder entdecken ebenso begeistert das Mandela auf einer verzierten Geburtstagstorte, wie das Schneeflockenmandala auf einer Weihnachtsbaumkugel.

Wie entsteht ein Mandala?

Bald möchten die Kinder selbst ein Mandala gestalten.
Beim Ausmalen von Mandala-Malbüchern können PädagogInnen verschiedene Ausmalmethoden beobachten. Z.B. das Malen von außen nach innen, von innen nach außen oder spiralförmig. Oft lassen sich Parallelen ziehen, zwischen Ausmalmethode, Anzahl der geometrischen Figuren, Farbwahl und der momentanen Befindlichkeit der Kinder.
Durch die Beschäftigung mit der Symbolik des Kreises, werden unsere Kinder ruhiger und ausgeglichener. Denn durch das Finden der Mitte im Kreis, finden Kinder unwillkürlich die eigene körperliche und geistige Mitte. In der Farbwahl und Methodik spiegelt sich die Seele. Das Innere hat eine Ausdrucksmöglichkeit gefunden.
Wenn zwei Kinder gemeinsam ein Mandala ausmalen oder zwei Kinder das gleiche Motiv, nur mit anderen Farben (Wasserfarben, Buntstiften Wachsfarbstifte, Aquarellstifte...), gelangen sie zu interessanten Erfahrungen. Sind die Kinder schon größer, können sie selbst Mandalas entwerfen, indem sie mit dem Zirkel einen Kreis ziehen oder einen Teller als Schablone benutzen. Ausgestaltungsmöglichkeiten werden ausprobiert und besprochen. Z.B kann der Kreis geteilt werden, wie ein Kuchen oder es werden unterschiedlich große Kreise oder Spiralen gezeichnet und geometrische Formen und Figuren rhythmisch eingeflochten.
Beispiel:
Bild: Grundformen der Mandalas

Mandalawerkstatt

Eine Möglichkeit für Kinder, sich selbständig im Tagesablauf mit der Gestaltung von Mandalas zu beschäftigen, ist die gemeinsame Einrichtung einer Mandalawerkstatt in einer Zimmerecke.
Dazu werden Materialien gesammelt, die in ihrer Beschaffenheit und Farbe verschieden sind. Wie Knöpfe, Federn, Muscheln, Kastanien, Eicheln, Steine, Stöckchen, Astscheiben usw.
Diese werden dann sortiert in Körbchen, Dosen, Schubladen oder im Setzkasten aufbewahrt.
Als Unterlage benutzen wir z.B. farbige Kreise aus Tonkarton. Die Materialien können dann aufgelegt oder aufgeklebt werden.
Besonders schöne Effekte erhält man durch die Verwendung von Mosaikspiegelchen oder Spiegelplättchen. Zur Gestaltung von Geburtstagsmandalas, zum Ausschmücken der Festtafel, eignen sich Glasnuggets und Schatzsteinchen.
Mandalas aus Herbstfrüchten, Gräsern und bunten Blättern verschönern jeden Altar zum Erntedankfest. Blütenmandalas in einer Wasserschale schmücken den Frühstückstisch und Mandalas aus Tannenzapfen, Apfelsinenschalen, Tannenzweigen, Nüssen, Zimtstangen und Sternanis bereichern jede Meditation in der Weihnachtszeit und fördern die Sinneswahrnehmungsfähigkeit.
Auch aus Stickkarton und Ausnähkarten, mit Faden oder Wolle, lassen sich wunderschöne Mandalas gestalten.

Mandalas zum Spielen und Basteln

Während des Freispiels können Kinder ein Mandala aus Nagelmaterial und Korkplatten hämmern oder verschiede Legematerialien oder Muggelsteine verwenden. Mandalas können auch aus Knetmasse gestaltet oder in den Sand gemalt werden.
Aus transparenten Trapezlegesteinchen, Glitzer-Klebeblättchen, Gold- und Silbersternen, Rundwebreifen mit Wolle oder Stoffresten und aus Transparentpapier-Fensterornamenten, entstehen wunderschöne Raum- und Fenstergestaltungen.
Ein aus Walzenperlen gesteckter und festgebügelter Mandala-Untersetzer ist als Geschenk zum Muttertag, Geburtstag oder zu Weihnachten genauso praktisch, wie ein selbst gestalteter Mandala-Kalender.
Auch bemalte Schlüsselanhänger, Strohsterne, mit Wachsfolie beklebte Kerzen, Windlichter oder Laternen aus Regenbogenpapier oder Strohseide, mit Stoffarbe bedruckte Schürzen oder T-Shirts, Wandbilder aus Ton oder Gips, Geburtstagskarten aus der Kreppapier-Knülltechnik und bedruckte oder beklebte Osterkarten, lassen sich wunderschön in Mandala-Form gestalten.

Kinder genießen den Aufenthalt in der freien Natur. Im Wald erzählte Märchen haben einen besonderen Reiz. Im Anschluss können die Kinder aus Naturmaterial Mandalas legen und den Elfen oder Zwergen als Geschenk überlassen.
Spaß haben die Kinder auch am Gestalten von Körpermandalas in Turnstunden oder auf einer Wiese. (Siehe Foto)

An der Fülle der Beispiele, die noch beliebig erweitert werden können, sehen wir, wie umfangreich und kreativ dieses Thema in Kindergärten und Schulen einsetzbar ist.

Einen Hinweis noch am Schluss.
Wenn wir gelegte Mandalas am Ende zerstören, sollten ErzieherInnen von den buddhistischen Mönchen berichten, die stundenlang Mandalas aus gefärbtem Sand gestalten und am Ende in einen Fluss schütten, um darzustellen, dass alles vergänglich ist.

„Der Weg ist das Ziel“

Viel Freude am Ausprobieren!